Das sind unsere Erfahrungen

Ich bin Lothar Schilpp, 57, seit 1997 im Freundeskreis Beilstein Erfolgsgeschichten

Wenn mir jemand vor Jahren gesagt hätte, dass ich mal Verantwortung übernehme, hätte ich ihn ausgelacht. Doch inzwischen leite ich eine Gruppe und bin im Vorstand des Landesverbands. Es macht mir großen Spaß, Teil einer tollen Gemeinschaft zu sein.
Der Weg in den Freundeskreis

Nach jahrelanger Alkoholabhängigkeit, sechs Entgiftungen in 15 Monaten, einer abgeschlossenen Therapie und ohne Gruppenerfahrung stand ich mit 29 Jahren vor der Entscheidung: Wie soll es in meinem Leben weitergehen?

 Während der Therapie sagte man mir, dass ich eine Selbsthilfegruppe besuchen solle. Doch ich war noch nicht bereit, mich gleich wieder auf irgendwelche Gesprächsrunden einzulassen. Es gab da allerdings einen Freundeskreis im Nachbarort, dessen Adresse ich mir zur Beruhigung mal notierte.

Nach ein paar Monaten entschloss ich mich hinzugehen. Es war eine kleine Gruppe, die aber alle das gleiche Problem hatten: Sie waren abhängig. Ich wurde sehr freundlich empfangen, man gab mir Zeit zum Reden und ich konnte so sein, wie ich bin. Jeder Einzelne schien wichtig. Erleichtert über diesen positiven Abend und mit einem guten Gefühl, dort am richtigen Platz zu sein, fuhr ich nach Hause, mit der Absicht, wieder zu kommen und Menschen zu erleben, die wussten, wovon sie sprachen und die mich verstanden.

Mein Freundeskreis und ich

Der Freundeskreis wurde ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich begann, meine Abstinenz zu akzeptieren und mich weiterzuentwickeln. Oft ging ich unzufrieden und gestresst in die Gruppe. Nach den Treffen ging es mir aber immer besser, und ich konnte mit viel mehr Selbstvertrauen und Zuversicht durch den Rest der Woche gehen.

Doch irgendwie fehlte was. Es dauerte 12 Jahre, bis ich ein Seminar besuchen konnte. Dort spürte ich noch intensiver, was Gemeinschaft, Freundschaft und Zugehörigkeit bedeuten. Auch die Worte über Gott haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Das alles hat mich so berührt, dass etwas in meinem Leben zu wachsen begann.

In den kommenden Jahren besuchte ich regelmäßig Seminare, die mich in meiner Persönlichkeit noch weiter reifen ließen. Ich habe in meinem Freundeskreis gelernt, mich zu öffnen, meine Sorgen und Probleme auszusprechen. Die Menschen halfen mir bei Problemen, bei denen ich oft wie vor einem Berg stand. Und auch ich konnte anderen den ein oder anderen Tipp geben.

Heute ist der Freundeskreis ein fester Bestandteil meines Lebens. Seit vier Jahren leite ich eine Gruppe und bin im Vorstand des Landesverbands. Das hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal Verantwortung übernehmen würde! Doch es macht großen Spaß, Teil einer tollen Gemeinschaft zu sein. Man bekommt viel Positives zurück, wenn man den Schritt in eine zufriedene Abstinenz wagt!

Wie sich mein Leben seither verändert hat

Ich habe während meines neuen Lebens viele positive Erfahrungen gemacht, aber auch weniger schöne. Diese konnte ich mithilfe meiner gestärkten Persönlichkeit und den Menschen in der Gruppe immer wieder meistern. Heute weiß ich, dass ich all diese Erfahrungen und den Schmerz in meinem Leben gebraucht habe, um der zu werden, der ich jetzt bin. Ich kann meine Vergangenheit und mich akzeptieren, ohne Groll auf das Gewesene und mit Zuversicht auf das Kommende. Dies alles wäre ohne die Freundeskreise nie möglich gewesen.

Ich schätze es, dass ich jeden Montag Teil einer starken Gemeinschaft sein darf, die mich stärkt und mich an meinem Thema dranbleiben lässt. Die Gruppe ist ein Teil meines Lebens geworden, und ohne sie würde ein fester Bestandteil fehlen. Die Menschen geben mir Halt, und ich weiß, dass ich meine Sorgen mit ihnen teilen kann. Ich spüre, dass ich wichtig bin.

Die Gruppe hat mich auf meinem Weg in eine zufriedene Abstinenz begleitet und ist immer für mich da.

Heute bin ich ein Mensch mit viel mehr Selbstvertrauen und Persönlichkeit. Ich habe auch Platz für andere gefunden, und es macht mir große Freude, füreinander da zu sein und dabei selbst weiter zu wachsen. Und ich bekomme viele wertschätzende Rückmeldungen. Es haben sich viele neue Freundschaften entwickelt, die über den Freundeskreis hinaus Bestand haben. Meinen Weg zu Gott will ich weitergehen. Auch das gibt mir Mut für mein weiteres abstinentes Leben.

Mein Rat

Nimm dein Leben selbst in die Hand und wage den Weg in den Freundeskreis. Dort findest du Menschen, die dir zuhören, dich verstehen und dich so nehmen wie du bist. Sie werden dir mit Rat und Tat zur Seite stehen und du wirst bald merken, dass du nicht alleine bist.