Ich bin Sylvia, 56, seit 2001 im Freundeskreis Erfolgsgeschichten
Ich habe 17 Jahre getrunken und 15 Jahre Drogen konsumiert. Mein Konsum began mit 16 und schaukelte sich über die Jahre hoch. Mit den Drogen musste ich früher aufhören, da ich Schwierigkeiten mit der Polizei hatte. Ich stand schon vor Gericht – hochschwanger mit 30 Jahren – und mir drohte eine Inhaftierung. Mein Alkoholkonsum steigerte sich nach Beginn der Drogenabstinenz enorm. Mit 33 Jahren hatte ich meinen Tiefpunkt, an dem ich mich zu einer Entgiftung durchringen konnte. Dort wurde mir klar, dass ich eine Selbsthilfegruppe suchen musste. Selbsthilfegruppen kannte ich schon: Als Kind war ich bei den Alateen (Selbsthilfegruppe für Kinder Alkoholkranker), meine Mutter bei den ALAnon (Selbsthilfegruppe für betroffene Angehörige). Mein Ex-Stiefvater trank.
Es gab einen Freundeskreis in meinem Wohnort. Wie ich auf ihn kam, weiß ich nicht mehr. Aber ich war auf einmal dort und mega froh darüber, mit Gleichgesinnten zu reden. Mein Leidensdruck war sehr hoch. Ich wollte endlich trocken bleiben. Zu schwer waren die letzten Jahre der Sucht.
Das erste Treffen war sehr aufregend. Ich habe kaum gesprochen, aber alles aufgesogen in vollem Vertrauen, dass ich dort gut aufgehoben bin. Ich rannte damals sozusagen um mein Leben. Die Menschen begegneten mir freundlich. Es gab jedoch ein paar Jahre, da war die Situation für mich im Freundeskreis sehr schwierig, da es einen Konflikt zwischen mir und dem Gruppenbegleiter gab. Heute weiß ich, dass ich das Ventil und das Sprachrohr anderer war. Es war eine harte Bewährungsprobe. In dieser Zeit hielten aber alle Freunde zu mir und stärkten mir den Rücken.
Der Freundeskreis hilft mir bei einer stabilen, glücklichen Abstinenz. Ich kann dort Freunde treffen und über meine Sucht reden. Es gibt einen Austausch über gute und schlechte Erlebnisse.
Mir gefallen der herzliche Umgang und das Miteinander, die Seminare und die vielen Freunde, die ich dadurch gewonnen habe. Die Gespräche haben eine gute Qualität. Solche Gespräche kann ich im „normalen“ Leben bei der Arbeit, Familie etc. nicht führen. Selbst mein Partner, mit dem ich wirklich über alles reden kann, tut sich manchmal schwer, mich zu verstehen. Nach vielen guten Gesprächen hat er ein Gespür und auch Verständnis für meine Suchterkrankung entwickelt. Ich nutze alle Angebote. Wenn ich in Freiburg bin, gehe ich auch dort zum Freundeskreis. Manches traue ich mich jedoch noch nicht, z. B. an Outdoorseminaren teilzunehmen.
Für mich lohnt es sich schon allein deshalb, weil ich im Freundeskeis Freunde treffe. Lebe ich doch sonst zurückgezogen, da ich auch kein Partymensch mehr bin. Durch die Gespräche über Alkohol und Sucht werde ich immer daran erinnert, wohin ich nicht mehr zurück möchte. Und durch meine Erfahrungen kann ich anderen Mut machen, wenn ich davon erzähle. Ich habe – weiß Gott – schon viel erlebt und überlebt.
Ich kann heute anderen Menschen vertrauen. Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu teilen, ist gut für meine stete Abstinenz. Eine Selbsthilfegruppe ist wie Medizin. Der regelmäßige Besuch stärkt mich, meinen Geist und meine Seele.
Ich bin mutiger und selbstbewusster geworden. Durch die wiederholten Erzähungen aus meinem Leben lernte ich einen gesunden Umgang mit meiner Vergangenheit und Kindheit. Ich kann inzwischen vor mehreren Menschen reden, z. B. habe ich bei einem Suchtgottesdienst von meinem Leben erzählt. Zwar war ich dabei mega aufgeregt, hatte mir Notizen aufgeschrieben, diese aber gar nicht gebraucht. Ich kann offen mit meiner Kindheit umgehen, schäme mich nicht mehr dafür und gebe keinem mehr die Schuld dafür. Es kommen aus ganz normalen Familien auch ganz normale Süchtige.
Sucht ist für mich eine Krankheit geworden. Meine Medizin sind Gespräche in der Gruppe. Eine „Volldröhnung“ mit positivem Input sind die Seminare. Im Alltag ist der Gruppenabend am Montag ein fester Bestandteil meines Lebens. Heute geht es mir gut. Ich lebe eine zufriedene Abstinenz mit allen Höhen und Tiefen des Lebens. Mein letzter Suchtdruck ist schon länger her, und die Abstände dazwischen werden größer (1–2 Jahre). Momentan befinde ich mich auf dem spannenden Weg zu meiner höheren Macht, angstiftet durch den FK und dessen spirituellen Einflüsse. Das tut gut und ich bin dankbar dafür.